Würstel-ABC

Den Würstelstand nicht mit leeren Händen und leerem Magen verlassen

Diese Seite beschäftigt sich mit den Standardbegriffen, dem Würstel-ABC, ohne dessen fundierte Kenntnisse Sie die größten Schwierigkeiten haben werden, eine ordnungsgemäße und damit auch erfolgreiche Bestellung am Würstelstand durchzuführen. Und wer will schon mit leeren Händen und dementsprechend leerem Magen wieder von dannen ziehen, nur weil Sie der Würstelmann fragt, ob Sie eine Eitrige wollen und Sie glauben, er hat Hepatitis A,B und was weiß ich welche Buchstaben noch und will Sie damit anstecken. Und wenn der Würstelmann sagt, daß die Klobasse ganz frisch sind und Sie darauf sagen, sie suchen aber gar kein WC, ja dann ist Hopfen und Malz verloren, selbst wenn Sie noch kein 16-er Blech geordert haben.

Kommen wir nun zu den Dingen, um die sich ein Würstelmann-Leben im allgemeinen dreht, und hier sind nicht nur die Würstel gemeint, welche der Flax´nvadrara mit Inbrunst und liebevoller Hand auf seinem Würstelgriller dreht.

A

Aff

Kann dem besten Würstelstand-Besucher passieren, wenn er zuviel 16-er Blech getrunken hat. Gemeint ist hier der  Rausch, was doch tatsächlich schon einmal, vielleicht sogar zweimal mir selbst passiert ist. Die Steigerung des gewöhnlichen Affen, also sozusagen schon ein ausgewachsener Gorilla, ist dann der Mordsdrum-Aff.

An´gstraht

Steht in kausalem Zusammenhang mit dem Begriff Aff. Wer einen Aff hat, ist an´gstraht. Oder ins Hochdeutsche übersetzt: Wer einen Rausch hat, ist betrunken.

B

Bahö

Gerade zu späterer Stunde kann es schon einmal am Würstelstand passieren, daß aufgrund hitziger Diskussionen zwischen den in ihren gegensätzlichen Grundsätzen wankenden Parteien ein Bahö entsteht. Nicht daß hier der Eindruck entsteht, die Überzeugungen der Gegner könnten durch stichhaltige Argumente des jeweils anderen ins Wanken geraten, hier ist vielmehr der körperliche Zustand der Diskussionsteilnehmer gemeint. Wenn also ein Bahö entsteht, meint der Wiener Lärm oder auch einen Streit, ein Durcheinanderreden.

Blada

Daß der Genuss von zuviel Bier bei manchen Zeitgenossen Muskelmasse gegen Fettmasse eintauscht, ist sicherlich ein offenes Geheimnis. Wenn also jemand mit dem Würstel-ABC Vertrauter  einen weniger oder schon mehr wohlbeleibten Herrn mit dem Imperativ "Geh hear, Blada !" anspricht, so ist hier die wohlgemeinte und vertraute Aufforderung "Komm her, Dicker !" gemeint.

Burenheidl oder Burenhäutl oder Buanheidl

Der Inbegriff des Wiener Würstelstandes, sozusagen untrennbar mit dem Würstelstand verbunden. Wem es nicht schnell genug gehen kann, der sagt zum Burenheidl aber sowieso nur Heiße, ausgesprochen als "a Haße". Wobei das Wort Haße nicht von Hass kommt, auch wenn der Wiener eine Art Hassliebe zum Würstelstand entwickelt hat. Jeden Tag sagt er sich zwar, heute keinen Besuch beim Würstelstand, aber jeden Tag wird diese Liebe immer wieder auf die Probe gestellt, und wer siegt im Endeffekt ? Richtig, die Liebe zum Würstelstand. Es ist wie die Bienen und die Blumen. Nicht, was Sie jetzt denken. Aber so wie die Blumen Nektar für die Bienen liefern, so ist der Würstelstand quasi der Nektarlieferant für den Würstelstand-Besucher. Ich könnte jetzt stundenlang philosophieren, wie der Würstelstand eigentlich so etwas wie der Olymp des Wieners ist, ein 16-er Blech sozusagen als Ambrosia und ein Burenheidl als Nektar der Würstelstand-Götter bezeichnet werden kann. Ja ja. der Wiener läßt es sich gut gehen in seinem Würstelstand-Olymp, umgeben von anderen Göttern oder zumindest Halbgöttern, was braucht es da die griechische Sage, wenn die Realität in Wien zuhause ist ?

Wer also ein Burenheidl beim Würstelstand bestellt, meint die Burenwurst oder umgangssprachlich als Klobasse bezeichnet. Das Wort Klobasse leitet sich aus dem Tschechischen klobása ab und bedeutet Bratwurst. Andere Sprachwissenschaftler leiten die Herkunft aus dem Ungarischen ab, dort bedeutet das Wort Kolbasz einfach nur Wurst. Egal, ob nun aber Tschechisch oder Ungarisch, in einem sind sind sich die Würstelstand-Götter einig, ein Burenheidl wird niemals gebraten oder gegrillt gegessen, sondern gekocht. Wer also eine Bratwurst möchte, sollte sich niemals ein gebratenes Burenheidl bestellen, er wird sonst schonungslos als Würstel-Dilettant enttarnt, manche werden ihn dann vielleicht mit "Wo kommst denn Du Würstel her ?" anreden, als Zeichen ihres Unverständnisses ob dieser Frevelei. Und was die Folge ist, möchte ich Ihnen jetzt gar nicht näher beschreiben, es kann sogar bis zu einem Hinauswurf aus dem Olymp der Würstelstand-Götter kommen.

Ein Burenheidl ist eine Nahrung für "echte Männer", es soll aber auch Frauen geben, welche sich nur von diesem Schweinefleisch-Nektar ernähren. Das Burenheidl ist sozusagen die Wurst für´s Grobe, für den großen Hunger. Rund die Hälfte der Wurstmasse besteht aus Schweine- und Rindfleisch und dann noch einmal ein Nachschlag von 25 % Speck und fertig ist die rollende Kalorienbombe. Gewürze, Wasser, Salz und Kartoffelstärke runden das ganze Burenheidl dann zu dem ab, was es ist: Zum Wiener Pendant der griechischen Götterspeise.

C

Chef (ausgesprochen Scheeef)

Oftmals die Bezeichnung für den Mann hinter dem Würstelstand. Wird aber nur im äußersten Notfall für den Würstelmann verwendet. Um als Scheeef angesprochen zu werden, gibt es in der Regel zwei Gründe, zwei sehr gute Gründe. Zum einen, der durstige Würstelstand-Besucher befindet sich gerade in einem finanziellen Engpass, d.h. er ist flach. Um aber trotzdem an eines der nahrhaften Getränke zu kommen, ist es notwendig, den Würstelmann als "Seine Exzellenz" bzw "Euer Hoheit" anzusprechen. Da aber das Kaisertum in Österreich schon vor langer Zeit abgeschafft wurde, wurde der Titel Scheeef eingeführt. Sollte aber nun der seltene Fall eintreten, dass der Scheeef partout kein Getränk mehr "auf Kreide" herausgeben will, bleibt noch der Umweg über einen anderen Würstelstand-Besucher. Dann geht einfach der Titel Scheeef in der Würstelstand-Dynastie auf einen wohlgesonnenen Mitstreiter über, es erfolgt sozusagen eine Transformation von "Euer Hoheit", dem Würstelmann auf "Euer Gnaden", einen anderen Würstelstand-Besucher.       

D

Doppler

Der Doppler ist sozusagen das, was für einen Formel 1-Sieger die obligatorische Magnumflasche Sekt bei der Siegerehrung ist. Wir unterscheiden grundsätzlich einmal zwei Kategorien durstiger Menschen am Würstelstand. Zum einen die Metaller. Nein, dies hat weder etwas mit handwerklichen Berufen innerhalb der Metallbranche noch mit Sympathisanten lauter Musik zu tun, hierbei handelt es sich um der durstigen Menschen der Kategorie Blech. Wer ein 16-er Blech bestellt, weiß was er will. Ein Bier aus der Dose. Andere sagen zum 16-er Blech auch Hüs´n, meinen aber genau dasselbe, nur vielleicht von der Konkurrenz, denn das mit dem 16-er hat einen ganz bestimmten Hintergrund, aber ich möchte jetzt keine Werbung für irgendeine Brauerei machen.

Und neben diesen Anhängern des Recycling, denn die Dosen werden nur deshalb getrunken, um sie schnellstmöglich wieder in den  Recycling-Kreislauf zurückzuführen, abgesehen natürlich vom Durst, welchen es zu stillen gilt, gibt es noch die Siegertypen beim Würstelstand. Der Wiener an sich ist eine Siegernatur, der Wiener ist zum Siegen geboren, ja geradezu verdammt. Man schaue nur einmal auf die Siegerlisten beim Nationalsport Nummer 1, nein nicht Fußball, sondern Skifahren. Die Gewinner kommen grundsätzlich nur aus Wien. Ab und zu einmal ein Sieger aus Tirol bzw. Osttirol, Kärnten, der grünen Steiermark, vielleicht sogar aus dem Salzburger Land, Nieder- oder Öberösterreich, Sieger aus dem Burgenland gibt es schon weniger, aber sonst nur Wien. Wien ist innerhalb Österreichs sicherlich das Bundesland mit den meisten Siegen im Skifahren, wie gesagt abgesehen von den anderen acht Bundesländern, welche jetzt langsam aufholen, aber auch nur deshalb, weil sie die Alpen entdeckt haben.

Und genau so verhält es sich beim Würstelstand: Nur Siegertypen, nur Gewinner, nur Anwärter auf Platz 1. Und wer hier wirklich gewinnen will, der braucht den notwendigen Biss, Standvermögen und eine gehörige Portion Mut. Es ist wie in der Formel 1, wer bremst, verliert. Und hier bietet ein Doppler die Chance, zu zeigen, wer wirklich Stehvermögen besitzt. Ein Doppler ist eine Flasche Wein. Nicht irgendeine Flasche Wein, ein Doppler ist eine 2-Liter-Flasche Wein. Brauche ich noch mehr sagen, muß ich noch detaillierter werden ? Wer innerhalb der Kategorie Weinverkostung am Würstelstand, sozusagen die Königsdisziplin, gewinnen will, muß mehr können als nur ein Achtel bestellen und sich dann schleichen (weggehen, abhauen).

Der Wiener, insbesondere natürlich der Würstelstand-Besucher, ist aber neben seiner Fähigkeit, besser Sikfahren zu können als die Bewohner der Bundesländer, auch ein hervorragender Naturwissenschaftler. Im Grunde genommen ist der Würstelstand-Besucher ein Genie, wenn es um die Erklärung physikalischer Phänomene geht. Ich werde Ihnen jetzt ein Geheimnis verraten, welches bisher unter dem Siegel der Verschwiegenheit seit mehr als 160 Jahren niemals an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Aber bitte, lieber Leser, das muß unter uns bleiben !

Wie ich bereits unter dem Punkt Würstel-Demokratie geschrieben habe, wurde die Institution Würstelstand deshalb ins Leben gerufen, um Kriegsinvaliden ein selbständiges Einkommen zu sichern. Alles richtig, nichts zu beanstanden. Der wirkliche Grund war aber ein ganz anderer: Wien wollte auf dem Gebiet der Physik eine Vorreiterrolle spielen, sich eine Vormachtstellung sichern. Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom sogenannten Doppler-Effekt gehört ? Haben Sie nicht, macht nichts. Namensgeber war auf jeden Fall der Salzburger Naturwissenschaftler Christian Doppler, welcher diesen Effekt 1842 entdeckte. Sie werden jetzt sagen, der "Salzburger" Naturwissenschaftler ? Naja, aber im Grunde gehört ja Salzburg irgendwie schon zu Wien, also zumindest zum näheren Einzugsgebiet, vielleicht jetzt nicht zum näheren, aber doch zum etwas entfernteren, vielleicht jetzt nicht zum näheren entfernten Einzugsgebiet, aber eben zu Österreich und damit doch zu Wien. Ich möchte jetzt gar nicht das Phänomen des Doppler-Effektes näher erklären, aber zumindest das Grundprinzip.

Es geht im Prinzip um die Veränderung gemessener bzw. wahrgenommener Frequenzen von Wellen, während dessen sich die Quelle und der Beobachter relativ aufeinander zubewegen oder auch entfernen. Wenn sich also Beobachter und Quelle einander nähern, so erhöht sich die wahrgenommene Frequenz und dementsprechend verringert sich die Frequenz, sobald sich Quelle und Beobachter voneinander wegbewegen. Wie wurde aber nun dieses höchst interessante, weil sehr nützliche Phänomen gerade am Würstelstand entdeckt ?

Entdecker bzw. Auslöser war ein namenloser Würstelstand-Besucher und seine Forscherkollegen. Nach dem Genuss von, die Experten sind sich da bis heute nicht einig, sagen wir einmal zwei Dopplern, alles übrigens zum Wohle der Forschung, wurden gewisse Zeichen von Übermüdung und sonstiger gesundheitlicher Probleme beim eifrig Forschenden festgestellt. Um nun den Kollegen vor gesundheitlichen Folgeschäden ob seines unermüdlichen Forscherdranges, welcher zu einer vollkommenen Erschöpfung und Übermüdung führte, zu bewahren, wurde die Rettung gerufen. Und das war die Geburtsstunde des Doppler-Effektes. Hören wir nun einmal in den Dialog der Würstelstand-Physiker hinein. Sie werden jetzt Zeuge einer Sensation !

Würstelstand-Physiker (W-P) 1: "Hearst es, de Rettung kummt scho !"

W-P 2: "Na, I hear no nix. I glaub, Du dramst !"

W-P 3: "Oh ja, I hear au scho wos. Des is de Rettung. Des hearst am Ton. Da Ton vo da Kiwerei (Polizei, Anm. der Red.) mocht mehr so Tatü-tatü-tata. Un des do is Tatü-tata. Des is die Rettung, goans sicha. Wirst glei sehn."

W-P 1: "Wiss´ts es wos. Wann´st den Ton vo da Weidn hearst, hurcht se der vü tiefa o wie wann´st em jetzt hearst, wann a scho do is. Des haßt, wann de Rettung do is, is da Ton vü heacher wie wann er no ned do is."

W-P 2: "I hear imma no nix. I glaub, i brauch no a Achterl. Geh, schengg ma no amol ei, I hob an Durscht, vielleicht hear I´s dann. "

W-P 3:"Wast wos, Du host recht ! Jetzt, wos es soagst, da Ton hurcht se jetzt scho vü heacher o wie wann de Rettung no in Simmering is. Do klingt des gonse vü tiafer. Geh, schengg ma au no ans noch !"

W-P 1:" Sog I doch, I glaub, i bin a Schanierl (Genie, Anm. d. Red.). Jetzt´a brauch I a no a Achterl, wö des hängt wörscheindlich mit am Wei zamm, je mehr dast dringst, desto heacher wird da Ton, wann a in da Näh is. Des hob I owa au scho bei da Öidn (Ehefrau, Anm. d. Red.) beobacht, wann I an´gstraht (siehe oben) hamkumm, hurcht se de Öide vü heacher o wie wann I´s in da Fruh siach. Meine Herr´n, I glaub, mir hom da eine Entdeckung gemacht. Des haßt, je mehr Achterln dos ma dringa, desto heacher wird da Ton vo da Rettung. I dat des amol als den Doppler-Effekt bezeichnen." (Bemüht sich um eine klare Aussprache)

W-P 2:"Oiso, wann´st mi frogst, des goanse hurcht se net wia de Rettung o, wei jetzt hear I´s au. I bleib dabei, des is de Kiwerei. Owa des mit den Doppler-Effekt gfoid ma, da krieg I glei no an Durscht. Geh, schenng ma no a letztes ei, donn is owa Schluss !"

W-P 3:" Dös san jo wirglich de Kiwerer. Host recht g´hobt mit Dein Tatü-tatü-tatarata-ratata. Owa des mit den Doppler-Effekt miaß ma no amol genauer besprechen, vielleicht dring I a no ans, moa schaun, wie se de Öidn dann oahurcht, wann I z´haus kumm !"

Lieber Leser, wir wollen jetzt die drei Forschenden wieder verlassen, sollte der eine oder andere den Dialog nicht verstanden haben, bitte ich um eine kurze Mitteilung, ich werde Ihnen dann die Übersetzung zukommen lassen. Den Grundtenor sollte aber jeder verstanden haben: Der Doppler-Effekt ist eine physikalische Erscheinung, welche durch unbändigen Forschungswillen und die Bereitschaft, sich bis zur Erschöpfung zu verausgaben, seinen Ursprung beim Würstelstand genommen hat. Übrigens, der vor lauter Übermüdung vierte Würstelstand-Physiker wurde nach einer kurzen schöpferischen Pause wieder in den Kreis der anderen aufgenommen, um das Phänomen Doppler-Effekt noch bei einem weiteren Doppler ausgiebig und bis ins letzte Detail zu erklären.            

Drahra oder Drahrer

Wenn Sie zu nachtschlafener Zeit, sagen wir so gegen 4.53 Uhr, auf der Suche nach etwas Essbarem in der Wiener Innenstadt oder natürlich auch in den Außenbezirken sind, sei es, weil Sie gerade aus einer Disko wanken, was aber beim echten Wiener selten vorkommt, da er lieber beim Wirt´n (gemütliches Gasthaus) sitzt oder im Beisl (auch ein gemütliches Gasthaus) Karten dübelt (Karten spielen) oder sowieso beim Würstelstand picken (stehen) bleibt, dann haben Sie gerade einen Drahra hinter sich bzw. Sie selbst fallen unter diese Kategorie Drahra, was einem Nachtschwärmer gleichkommt.

E

Eitrige

Die Eitrige ist keine Krankheit, ganz im Gegenteil, hierbei handelt es sich um eine Spezialität aus Österreich. Wer die Eitrige mit Käsekrainer bezeichnet, meint dasselbe, nur eben nicht ganz so Weanerisch. Wie das Burenheidl besteht auch die Eitrige aus Schweine- und Rindfleisch, nebst Speck, Wasser und Gewürzen werden aber zusätzlich kleine Stücke Käse (Emmentaler) in die Wurst mit verarbeitet. Der hungrige Gast isst die Eitrige entweder gekocht oder aber, um den Käse so wirklich zur Geltung zu bringen, gegrillt. Und dieser Käse ist auch der Grund, warum die Käsekrainer Eitrige heißt. Damit der Käse nicht verbrennt und die Eitrige nicht zu einer spritzenden Käsebombe wird, wird die Eitrige mehrmals angestochen. Der beim langsamen Grillen austretende Käse erinnert dabei an, naja das können Sie sich ja bei dem Namen jetzt selbst vorstellen. Am besten schmeckt diese Würstelstand-Leckerei mit Senf und Kren (Meerrettich). Aber zuerst die Eitrige in den Senf, damit der Kren dann haften bleibt.  

H

Heiße oder Haße

siehe dazu Burenheidl

K

Käsekrainer

siehe dazu Eitrige

Klobasse

siehe dazu Burenheidl

L

Leberkas, Leberkäs, Leberkäse

Wenn unsere deutschen Nachbarn vom Fleischkäse sprechen, dann ist am Wiener Würstelstand der Leberkäs zu bestellen. Wobei natürlich auch hier wieder gilt: Der Ton macht die Musik. Sprich, und dies ist durchaus wörtlich zu nehmen, Leberkäse als Lewakas. Wenn Sie als blutiger Würstelstand-Amateur um 1.57 Uhr in der Früh Ihren Nachbarn also sagen hören: "Gib ma an Lewakas mit an Soizstangl und an Kirschpfeffaroni !", so dürfen Sie nicht davon ausgehen, daß der Herr im volltrunkenen Zustand nach dem Weg zur Staatsoper fragt. Sie können zwar davon ausgehen, daß der Herr gerade im volltrunkenen Zustand von der Staatsoper kommt, deshalb ist ihm der Weg dorthin eigentlich ziemlich wurscht, und dementsprechend hat sich nach soviel Kultur ein kleines Hungergefühl eingestellt. Und klarerweise verlangt es den Herrn Hofrat, denn wenn er aus der Staatsoper kommt, ist er zumindest ein Doktor und dann wird er als Hofrat angesprochen, nach einer Scheibe Leberkäse mit einer Salzstange und einem scharfen Pfefferoni.

S

Schmattes

Schmattes, das erklärte Lieblingswort jedes Würstelverkäufers. Schmattes hat schon in seiner sprachlichen Eleganz so viel Lieblichkeit, Anmut und ist von solch Liebreiz geprägt, daß es jedem Würstelmann die Tränen in die Augen treibt, wenn ein zufriedenen Gast am Schluß des kaiserlichen Mahles sagt: "Für de Haße hast da an urdentlichen Schmattes vadient !" Hier wird Lob noch nach monetären Werten gemessen, Leistung und guter Service werden mit einem schönen Trinkgeld, eben dem Schmattes, belohnt.

Servas

Der Leitspruch eines jeden Kommenden und Gehenden beim Würstelstand lautet Servas. Wenn sich also ein Neuankömmling in der elitären Würstelstand-Runde einfindet, wirft er ein galantes Servas in die Runde. Der Uninformierte, nicht der Uniformierte, denn das wäre der Kiwerer (Polizist), kann natürlich nicht wissen, daß tiefgreifende lateinische Kenntnisse in jedem Wiener schlummern. Schließlich haben schon die alten Römer im 1. Jhd. nach Christus erkannt, welch großartige Lage die damalige keltische Siedlung Vindobona als römisches Militärlager bot. Und so segelte Wien für ein paar Jahrhunderte unter römischer Flagge und damit ist auch jeder Wiener quasi ein echter Lateiner. Wenn also einmal der höchst seltene Fall eintritt, daß der Wiener mit seinem Latein am Ende ist, dann sagt er ganz einfach: "Na servas !". Dies ist insofern nicht mit dem beim Würstelstand gebräuchlichen Servas zu verwechseln, da das "Na servas" in seiner Bedeutung das ganze Ausmaß einer tiefen Ratlosigleit beherbergt, während das Servas ohne das vorangestellte Na den Respekt vor dem Würstelstand-Gegenüber ausdrückt. Denn wie alle Lateiner und demzufolge alle Wiener wissen, bedeutet das ursprünglich aus dem Lateinischen stammende Servus "Der Diener" oder, schließlich war Österreich für lange Zeit ein Kaiserreich, auch "Der Sklave" in seiner Kurzform. Und da der Wiener an Prägnanz kaum zu übertreffen ist, wird das ehemals gebräuchliche "Ich bin Dein Diener", die Langfassung der Kurzfassung von Servus, im Wienerischen Servas ausgesprochen.

Der in seinen lateinischen Umgangsformen bewanderte und von vielen deshalb auch bewunderte Wiener betritt deshalb auch die Würstelstand-Bühne immer mit einem galanten Servas. Der darauf folgende Servas-Chor sowohl vom Würstelmann als auch von den Anwesenden zeigt dem Neuankömmling, daß er als Gast gerne gesehen ist. Dem Servas des Würstelmannes kommt dabei eine ganz spezielle Bedeutung zu, zeigt es dem Gast doch an, daß ihm der Würstelmann zu Diensten ist. Ansonsten hätte er das grausame "Schleich di" benutzt, welches als Zeichen des Abschiedes verstanden werden muß und geradezu von furchtbarer Endgültigkeit ist, zumindest bis zum nächsten Tag.

Wer jetzt aber glaubt, dieses Servas in die bereits bestehende Runde ist nur eine leichtfertig hingeworfene Höflichkeitsfloskel, der irrt gewaltig. Denn nicht nur der Würstelmann hat sich mit seinem lautstark bekundeten Servas bereitwillig als Diener zur Verfügung gestellt, auch der neue Protagonist stellt sich vollkommen uneigennützig als Diener seinerseits zur Verfügung. Denn wie es der Zufall so will, sobald ein neuer Akteur die Bühne betritt und eine Bestellung in devoter Haltung an den in noch devoterer Haltung verharrenden Würstelmann aufgibt, passiert folgendes:

Neuankömmling: "Servas, gib ma a Hüsn, aber rasch, woi, da Durscht bringt mi um !"

Würstelmann: "Servas !"

Gast 1: "Servas, geh, nimm ma ans mit !"

Neuankömmling: "Servas, a Hüsn oda a Flascherl ?"

Gast 1: "A Hüsn, Du Floaschn !"

Gast 2: "Servas, geh, wannst scho dabei bist, bring ma a no ans mit !"

Neuankömmling: "Servas, wos wüst, au a Hüsn ?"

Gast 2: "Na, Du Floaschn, a Flascherl !"

Gast 3: "Servas ! Na servas, meins is a scho wieda laa. Bringst ma a no ans !"

Neuankömmling: "Servas ! Na servas, es seid´s ja scho guat beinand !"

Wollen wir nun diesen freundschaftlichen Dialog in die hochdeutsche Sprache übersetzen.

Neuankömmling: "Ich stehe zu Diensten und grüße Euch. Würdet Ihr mir bitte eine Dose Bier reichen. Mich dürstet fürchterlich !"

Würstelmann: "Ich möchte Euer untertänigster Diener sein !"

Gast 1: "Dein Sklave möchte Euch ebenfalls um ein neues Bier bitten !"

Neuankömmling: "Gebietet über mich, mein Herr, Was darf es denn sein, ebenfalls eine Dose ?"

Gast 1: "Seid so gut und reicht mir eine Flasche, wenn es denn recht ist ?"

Gast 2: "Auch ich, mein Herr würde um Eure Gunst bitten !"

Neuankömmling: "Verfügt über mich als der geringste Eurer Diener ! So darf ich Euch ebenfalls eine Dose kredenzen ?"

Gast 2: "Wenn es denn keine Mühe macht, so erlaubt mir, den Wunsch nach einer Flasche zu äußern !"

Gast 3: "Auch ich huldige Euch, oh Ihr wunderbarer Herr. Mich dünkt, ich weiß nicht recht, wo mein Labsal ist abgeblieben."

Neuankömmling: "Auch Eurem Wunsch möcht ich sogleich nachkommen. Es freut mich, Euch alle so wohlgemut zu sehen !"

Sie sehen, sehr verehrter Leser, dieses Servas in seiner Vielschichtigkeit, in seiner geradezu metaphorischen Verwendbarkeit ist ein Synonym für die gepflegten Umgangsformen, welcher auch Sie sich am Würstelstand bedienen sollten.

W

 Wiglwogl

Das Wort Wiglwogl zu erwähnen, ist eigentlich schon Blasphemie am Würstelstand. Denn wer etwas auf sich hält beim Würstelstand, kommt nie, aber auch niemals in das Dilemma, im Wiglwogl zu sein. Und da eigentlich jeder etwas, um nicht zu sagen, alles auf sich selbst hält, zumindest beim Standl, wie es der Fachmann kurz und bündig ausdrückt, ist das Wort Wiglwogl eher ein Hilfsausdruck für eine rhetorische Fragestellung, deren Beantwortung schon gegeben ist, bevor derjenige noch in den Zustand des "Im Wiglwogl sein" kommen könnte. Es gibt nichts, aber auch rein gar nichts, was einen Würstelstand-Besucher in solch einen ruchlosen Zustand vollkommener Hilflosigkeit treiben könnte.

Naja, vielleicht gibt es da doch eine Sache, die den Standl-Profi, also jenen Gast, welcher sich durch eiserne Selbstdisziplin, mit einem von Gott gegebenen Stehvermögen und der Kraft der zwei Lebern auszeichnet, ins Wanken bringen könnte. Nein, wir sprechen hier nicht vom Alkohol, dieses von Bacchus subventionierte Konsumgut kann den echten, den vorbildlichen Besucher unserer Wiener Konsum-Tempel niemals ins Wanken bringen, selbst rekordverdächtige Doppler-Schlachten und auch nicht die uneinnehmbarsten Bierdosen-Batteriestellungen zwingen unserer Männer an vorderster Front zum Rückzug. Wiglwogl bedeutet unentschlossen zu sein und dies können sich die Helden der kalten Hüsn einfach nicht leisten. Manche können sich zwar nach stundenlangen Stellungskriegen keine Hüsn mehr leisten, aber dies bedeutet noch lange nicht, im Wiglwogl zu sein, ob man nicht doch noch ein letztes Gläschen Wein, das sogenannte Flucht-Achterl zu sich nehmen sollte.

Doch diese Unentschlossenheit äußert sich fast immer in einem erbitterten Zwiegespräch mit sich selbst, dieser immer währende Kampf von Gut und Böse kann zermürben, kann einen förmlich aufreiben. Die klassische Wigwogl-Strategie folgt dabei immer einem bestimmten Grundmuster:

"So, jetzt geh I owa zhaus, i hob an goanz scheenen Igel. Na, jetzta is Schluß für heit. Oda soll I no a letztas dringa ? Jo, na, vielleicht. Geh, gib ma no a Flucht-Achterl ! Owa des is des letzte fir heit !"

Übersetzen wir diesen Kampf der dunklen Seite der Macht mit unserem strahlenden, in seinen Grundfesten kurzzeitig erschütterten Helden in die Schriftsprache:

"So, meine lieben Freunde, es ist schon spät, ich muß morgen wieder sehr zeitig aufstehen und außerdem habe ich Sehnsucht nach meiner Liebsten. Und ich glaube, daß ich heute ausnahmsweise doch etwas zu viel Alkohol konsumiert habe. Oder habe ich doch noch Verlangen nach einem letzten, einem allerletzten Schlückchen. Ja, nein, vielleicht. Ein letztes Gläschen werde ich mir nun doch noch genehmigen, aber dieses soll das wirklich allerallerallerletzte für heute und überhaupt sein !"

Sie sehen, lieber Leser, nicht nur Hollywood schreibt gute Drehbücher mit einem Happy-End, auch beim Würstelstand siegt letzten Endes doch das Gute.             

Diese Liste wird ständig erweitert und Vorschläge sind deshalb auch gerne willkommen. Wer also der Meinung ist, daß ich den einen oder anderen Begriff noch vergessen habe oder die Bedeutung eines Begriffes noch anders darstellen soll, möge mir bitte schreiben.     

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