Würstel und Wurst - Geschichte und Geschichten
Wie das Wiener Würstel in Wien zur Frankfurter wurde
Bei den im folgenden aufgeführten Geschichten habe ich hilfreiche und gute Informationen auf Wurstwissen für Jedermann gefunden und natürlich dementsprechend gilt mein Dank der Wurstakademie.
Begeben wir uns wieder einmal an einen fiktiven, oder sollte der geneigte Leser bereits einen Lieblings-Würstelstand in Wien auserkoren haben, an diesen realen Platz Wiener Esskultur. Wir bummeln als gemütlich durch die Wiener Innenstadt und schauen uns, womöglich gemeinsam mit der werten Gattin, die schön dekorierten und teuer ausschauenden Auslagen der Boutiquen, Schmuck- und sonstigen Wünsch-Dir-Was-Ich-Kaufs-Dir-Eh-Nicht-Geschäfte an. Besser gesagt, die Gattin schaut schwitzend und wir schwitzen schauend. Die Liebste vor lauter Glück ob so vieler Glitzer, Glamour und Glücksgefühle, wir sind mehr der schwitzende Typ, den Hunger, Durst und die neuen Schuhe plagen. Nun gut, schwitzenderweise bewegen wir uns unter vielen anderen Schweiss-Duos so durch den ersten Bezirk, und dann, ja dann. Ein echter Wiener Würstelstand ! Schon von weitem können wir, also mehr ich als wir, diesen verheissungsvollen Fresstempel erspähen. Ich kann förmlich hören, wie er sein "Ruf mich an !", Verzeihung, hier habe ich wohl etwas mit dem Nachtprogramm auf einem Privatsender verwechselt, also wie er sein "Komm zu mir !" schreit. Mein Schlecker, also die menschliche Zunge im Wiener Sprachgebrauch, beginnt sich sofort auf 6.00 Uhr auszurollen, wird lang und immer länger und endlich, nach Minuten paralysierendem Schauens, wird meine Gattin auf mich aufmerksam. Ihr Blick folgt meinem Blick, ihr Gesicht wird so lang wie meine Zunge und dann werden ihre Augen so eng wie meine neuen Schuhe.
Doch es hilft alles nichts, meine mühsam antrainierten und sorgsam gepflegten Hungerattacken haben meine mir Angetraute zermürbt, aufgerieben und letztendlich zur Strecke gebracht. Da ist es völlig bedeutungslos, dass die neue Handtasche von Fratelli morbido oder wie dieser italienische Modedesigner heißt um 530 % im Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterschlußverkauf gesenkt wurde und um sage und schreibe günstige 5488,- Euro zu haben ist, ein Schnäppchen. Doch Schnäppchen bleibt Schnäppchen, ich will jetzt ein Häppchen, wobei zwei Häppchen wären eigentlich gescheiter, bei meinem Hunger.
Unsere Richtung ist dementsprechend vorherbestimmt, wenn ich hierbei von "unserer" Richtung spreche, ist dieses natürlich im Pluralis majestatis gemeint. So wie schon die großen Herrscher der Weltgeschichte das "Wir" dazu verwendeten, für alle Untertanen zu sprechen, so spreche ich in diesem Falle für meine Frau und mich, also mein Hunger ist auch ihr Hunger, quasi unser Hunger und deshalb ist auch unsere Richtung vorgegeben, also mein Drang zum Würstelstand ist eigentlich gar nicht meiner, sondern eben unserer. Es kann schließlich auch nicht die ganze Mannschaft das Ruderboot steuern, einer steuert und viele rudern, in diesem ganz speziellen Fall bin ich der Steuermann oder besser gesagt der Hunger ist derjenige, der den Steuermann steuert und die beste Ehefrau rudert. Meist bin zwar ich derjenige, welcher rudert, meist rückwärts, wenn meine Frau etwas von mir will, aber jetzt steuern wir, sie wissen schon, der Pluralis majestatis, und zwar ohne Umwege zum nächsten Würstelstand.
Und dann, endlich, steht er vor mir. Vorbei die Zeiten der Schnäppchen-Suche, willkommen im Häppchen-Tempel. Der Ort, wo Fastfood-Bacchus und Hestia, die Göttin des Würstel-Herdfeuers zuhause sind. Der Burenheidl-Olymp, Pantheon der Eitrigen, Walhalla der Frankfurter mit Kren und scharfem Senf. Aber auch der Hamburger-Hades, der Orkus gesunder Kost, der Würstelstand ist der Ort der ewigen Vitamin-Finsternis, der Würstelstand ist jener Platz der Gesundheitsfanatiker-Verdammnis. Ach, welch modernes Schlaraffenland, dort, wo Bier aus Dosen fließt und Wein aus 2-Liter-Flaschen ausgeschenkt wird.
Eigentlich wollte ich ja die Geschichte von der Transformation der Wiener zum Frankfurter Würstel erzählen und nicht über den Sitz der Götter philosophieren, aber jetzt bekomme ich natürlich erst einmal einen kleinen Hunger. Und da man mit vollem Mund nicht spricht geschweige mit zwei Würsteln in zwei Händen nicht schreiben kann, unterbreche ich nun und mache eine kleine Pause.
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