Die Basisdemokratie am Würstelstand
Der Kaiser von Österreich als Erfinder der Würstelstand-Demokratie
Den Würstelstand-Chat gab es schon lange vor dem Internet
Sie lesen richtig ! Auslöser oder um nicht sogar zu sagen Schirmherr der heutigen Würstelstand-Demokratie, die an jedem, aber auch wirklich jedem Würstelstand Österreichs herrscht, war die altehrwürdige k&k Monarchie. Bitten fragen Sie mich aber jetzt nicht, wann in der alten Kaiserzeit der erste Würstelstand seine Pforten öffnete oder besser gesagt der erste Flax´nvadrara, ein Synonym zum Würstelmann, wird natürlich ganz anders ausgesprochen als geschrieben, aber fast alles in Wien wird anders gesprochen als geschrieben, wann also der erste Würstelverkäufer seine ersten Würsteln unters Volk gebracht hat. Wobei, wenn der Wiener etwas genauso ausspricht wie es geschrieben wird, dann meint er nicht das, was er sagt, auch wenn es so geschrieben wird. Vergessen´s Sie, das wird sonst zu kompliziert.
Zurück also in die österreichisch-ungarische Monarchie. Was heute in vielen Teilen der Welt recht ist, war schon damals billig. Krieg. Und um einer der grausamsten Beschäftigungen der Menschheit nachzugehen, bedurfte es zur damaligen Zeit vieler tapferer Männer, welche die Interessen der Staatsoberhäupter mit ihrem Leben vertraten. Doch was bleibt von Tapferkeit übrig, wenn der Sensenmann seine eigenen Interessen gnadenlos vertritt ? Wer nicht starb, wurde oftmals schwer verletzt, Gevatter Tod nahm abgetrennte und abgeschossenen Gliedmaßen auch gerne als Anzahlung für das Unvermeidliche.
Doch was tun mit diesen Kriegsinvaliden ? Die Idee des Würstelstandes als Versorgungsquelle für diese Menschen wurde ins Leben gerufen. Ähnlich wie die Trafiken, die österreichischen Tabakhandlungen, welche ebenfalls als Einnahmensquelle für Kriegsinvaliden und Soldatenwitwen geschaffen wurden, war ein Würstelstand Mittel und Zweck, Menschen mit Kriegsverletzungen ein eigenes Einkommen zu sichern.
Was hat aber nun der alte österreichische Kaiser mit der Würstelstand-Demokratie zu tun ? Wie gesagt, die Institution Würstelstand kann auf die alte Kaiserzeit zurückgeführt werden. Und wirkliche Demokratie herrscht an jedem österreichischen Würstelstand, der Wiener Würstelstand-Besucher ist dabei sozusagen ein Spitzenpolitiker in Sachen Demokratie. Wenn ein mit den Würstelstand-Gepflogenheiten nicht ganz so vertrauter hungriger Gast zu später Stunde den tiefsinnigen Gesprächen eines parlamentarischen Würstelstand-Ausschuss lauscht, wird er zwei Dinge nicht verstehen. Erstens, welches Thema steht überhaupt zur Diskussion. Und zweitens, wer ist mit der Regierungsbildung beschäftigt und welche Partei befindet sich in der Opposition. Zu erstens: Es ist völlig belanglos, welche Themen zur Diskussion stehen, weil einfach alle Themen von gleicher Brisanz sind, ausgenommen natürlich Arbeitskollegen und Fußball, die sind noch etwas brisanter als die brisanten Dinge. Und zu zweitens: Es gibt keine Regierung und schon gar keine Opposition. Jeder ist Regierungschef, jeder vertritt die Opposition und alle miteinander haben sowieso recht. Und je lauter geschrien wird, desto näher liegen alle mit der Wahrheit. Wenn Sie glauben, es wird nur geschrien um des Schreiens willen, liegen Sie völlig falsch. Hier wird vor lauter Freude geschrien, der Freude, nach streng demokratischen Spielregeln zu handeln. Und diese Freude muß mit entsprechendem Nachdruck zur Kenntnis gebracht werden, egal ob Sie es nun hören wollen oder nicht.
Basisdemokratie beim Würstelstand heißt, jeder besitzt eine Stimme und der mit der lautesten Stimme ist dementsprechend der größte Demokrat. Und wissen Sie was ? Jeder akzeptiert dieses Prinzip, ich will es jetzt einmal das Prinzip der effektiven Resonanzkörper-Demokratie nennen. Egal ob der einfache Hackler (Arbeiter), der übriggebliebene Besucher vom Wiener Opernball oder der Banker, der noch einen wichtigen Termin in, Verzeihung, mit seiner Sekretärin hatte. Alle wissen, wie es um die eigenen Chance bestellt ist, gehört zu werden. Je lauter, desto demokratischer.
Böse Zungen werden jetzt vielleicht behaupten, wie kann sich jemand solange an einem Würstelstand aufhalten, schließlich handelt es sich dabei um nichts anderes als Fast-food-Essen und teilweise, da mögen Sie schon recht haben, um Fast-Trinken, zu fortgeschrittener Stunde sogar schon um ganz schön Fast-Trinken. Dann stelle ich jetzt eine Gegenfrage. Gehen Sie doch einfach einmal zu dieser amerikanischen Fast-food-Kette, irgendwas mit Mc, fällt mir gerade nicht ein. Gehen Sie also einmal um 23.00 Uhr dorthin, fangen Sie an zu schreien, verlangen vor lauter Durst noch ein Achtel Wein und sagen denen, daß sei Demokratie. Ich wette, in spätestens 16 Sekunden sind Sie dort wieder draußen und zwei Minuten später wieder bei Ihren demokratischen Freunden beim Würstelstand. Denn dann werden Sie eines wissen: Demokratie muß manchmal laut sein !
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